Muralto

Muralto

Auf einer Reise nach Muralto entdecken Urlauber eine kleine Gemeinde des Schweizer Kantons Tessin, die das Westufer des Lago Maggiore säumt. Locarno ist der Nachbarort. Durch diese Nähe entstand das Stadtagglomerat Locarno-Muralto. Und dennoch steht Muralto dem großen Bruder Locarno in nichts nach.

Nur auf den ersten Blick unscheinbar

In der Stadt leben zwar noch nicht einmal 3.000 Einheimische. Dennoch ist Muralto unter Touristen heiß begehrt. Magische Anziehungskraft üben die Spuren der bewegten Geschichte Muraltos aus, die Besucher bis heute in Augenschein nehmen können. Kein Reisender sollte es sich entgehen lassen, einen Blick auf die 1936 freigelegten üppigen Grabausstattungen einer einstigen großen Nekropolis zu werfen. Diese historischen Überreste wurden in den 1930er Jahren zusammen mit einem Marktplatz sowie einer Villa samt Thermen entdeckt. Anschaulicher kann Geschichte wohl nicht präsentiert werden. Heute vermuten Historiker, dass der heutige Touristenmagnet in der Vergangenheit als bedeutungsvolles Zentrum der Römer im Alto Verbano gewesen ist. Ob dies wirklich der Fall war, kann allerdings bis heute nicht zu 100 Prozent bestätigt werden.

Nach einem Schloss benannt

Gesichert sind erste Zeugnisse aus dem Jahr 1267, die auf die mittelalterliche Vergangenheit der Ortschaft verweisen. Diese Dokumente lassen darauf schließen, dass die bewohnte Ortschaft damals um die Plebanerkirche von S. Vittore und das Schloss florierte. Geschichtsexperten gehen davon aus, dass aus dieser Zeit auch der heutige Name der Ortschaft stammt. Einst trug das Schloss den Namen „de muroalto“ - „von der hohen Mauer“. Diese Bezeichnung stammte vermutlich von einer antiken Festung der Langobarden, die während des 12. Jahrhunderts vom Bischof von Como an eine Patrizierfamilie überreicht wurde. Diese Familie verlieht der Festung daraufhin wahrscheinlich diesen Namen. Nachdem das Schloss im 14. Jahrhundert stark geschädigt wurde, bauten fleißige Helfer das Kastell anschließend als Festung auf. Heute erinnern nur noch einige Überreste an das einst prachtvolle Bauwerk. Drei größere Bögen lassen erahnen, welche Ausmaße die Festung in der Vergangenheit einnahm. Bis zu Beginn der 1880er Jahre gehörten Muralto und Orselina einer übergeordneten Verwaltungseinheit an. Im Gemeindewappen ist bis heute das Schloss der Muralto auf weißem Untergrund verewigt, von dem sich drei rote Lilien abheben.

Diese Sakralbauten sind durch Meisterhand erschaffen

Doch nicht nur der Blick in die Vergangenheit lässt geschichtsinteressierte Urlauber aufhorchen. Auch im Hier und Jetzt präsentiert sich Muralto als ein Reiseziel, dessen eindrucksvolle Architektur jeden Moment des Urlaubs in ein unvergessliches Erlebnis verzaubert. Dazu tragen die schönsten Sakralbauten der Stadt bei. Nicht weit vom Bahnhof entfernt, zieht die Stiftskirche von S. Vittore ihre Besucher in den Bann. Dieses Gotteshaus ist nicht nur eine einfache Kirche. Architekturexperten sind sich einig, dass Urlauber eine der spannendsten romanischen Kirchen aus dem gesamten Tessin erblicken. Das Kirchengebäude setzt sich aus drei Kirchenschiffen zusammen, die mit weiteren drei Apsiden in der Form eines Halbkreises ausgestattet sind. Die Krypta wurde im Nachhinein unter dem Chor eingebaut. Der Innenbereich ist mit einer hübschen zentralen Holzdecke verziert. Die seitlichen Kirchenschiffe sind hingegen mit Kreuzgewölben ausgestattet.

Eine Augenweide: die Stiftskirche von S. Vittore

Den Ursprung für das bis 1818 als Pfarrkirche für Locarno genutzten Gotteshauses bildete eine frühchristliche Basilika, die im 5. oder 6. Jahrhundert mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Überresten einer römischen Villa erbaut wurde. Die Kirche in ihrer heutigen Form wurde von 1090 bis 1100 errichtet. Allerdings wurde das Gotteshaus über alle Jahrhunderte hinweg immer wieder Veränderungen durch An- und Umbauten unterzogen. Im Rahmen der bisher letzten Restaurierung wurden neugotische Gewölbe aus dem Hauptschiff beseitigt. Während dieser Modernisierungsmaßnahmen war die Überraschung groß, als Architekten einen bedeutenden romanischen Freskenzyklus fanden. Diese Fresken stellten Geschichten aus dem Alten Testament dar. Wahrscheinlich wurde dieser Zyklus von 1140 bis 1150 entworfen. Die Seite des Glockenturms lockt ebenfalls mit ihren künstlerisch wertvollen Darstellungen. Dieser Bereich an der südöstlichen Ecke stellt ein Marmor-Basisrelief des Künstlers M. Benzoni dar. Auf diesem Relief ist der Hl. San Vittore auf einem Pferd verewigt. Diese Abbildung wird durch eine Standarte ergänzt, die die Heilige Dreieinigkeit präsentiert. Wer den Streifzug durch Muraltos architektonische Schatzkammer fortsetzen möchte, sollte an der Kapelle des San Giuseppe aus dem 17. Jahrhundert oder der Kirche Santa Maria Annunciata aus der Via al Sasso Halt machen.

Villen wie aus dem Bilderbuch

Zudem beherbergt Muralto eine Vielzahl beeindruckender Villen, die die Blicke mit ihren üppigen Designs und liebevoll verwendeten Details auf sich ziehen. Es sind Bauwerke wie die im eklektischen Stil errichtete Villa Cattori, die im Heimatstil erschaffene Villa Rosa Marie aus dem Jahr 1916 oder die um 1900 erbaute Villa Bellavista, die Muralto eine mondäne Note verleihen. Bauwerke wie das einstige Grand Hotel Locarno oder ein Wohnhaus mit der Freskomalerei „Crocifisso mit Sante Caterina und Maria Maddalena“ vollenden das architektonische Ensemble.

Eine gute Verkehrsanbindung

Dieses bunte Intermezzo faszinierender Sehenswürdigkeiten leistete ganz gewiss einen wichtigen Beitrag dafür, dass Muralto heute das ist, was es ist. Das beliebte Touristenzentrum am Ostrand des Maggia-Deltas lockt alljährlich tausende von Urlaubern an, die die Mini-Stadt zwischen Tradition und Moderne in Augenschein nehmen möchten. Auf dem Stadtgelände befindet sich ein Mehrzweck-Kongresszentrum, das die moderne Seite Muraltos präsentiert. Dank der gut ausgebauten Infrastruktur ist die Ortschaft am Lago Maggiore problemlos erreichbar. In der Stadt befindet sich der Bahnhof Locarno, an dem zwei Eisenbahnstrecken Halt machen. Denn neben der Centovallibahn von Domodossola dient der Bahnhof als End- und Startpunkt der SBB-Strecke von Bellinzona. Durch diese Optionen steht es Reisenden frei, die einstige Heimat von Künstler Paul Klee mit dem Zug oder Auto anzusteuern.

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